Montag, 1. Oktober 2007

Steiner und Waldorf

Allerlei und ein vielfach vergessenes Gericht


Im Jahre 1982 beantwortet Hilde die Frage: Was sind Krautfleckerl?

„Krautfleckerl san a Weißkraut, a weng Zucker, a Tubn Paradeisermark und zum Schluuuss gibst die Fleckerln hinein. Dös is an tipisches arme-Leute-Essen aus Wien.“ (Hilde, Jugendburg Streitwiesen, Niederösterreich)


Auch Rudolf Steiner hat in Wien gelebt. Er war daher relativ arm – und so hat auch er wohl einst Krautfleckerl gegessen. Es wäre ihm jedenfalls zu wünschen, denn es gibt kaum ein Gericht, das mit derart wenigen und unspektakulären Zutaten ein solches Geschmackserlebnis garantiert.

Bevor also Steiner Hellseher werde, gibt NWA zu Protokoll,


„... schreibt er sogar selber ein philosophisches Buch. Es trägt den schönen Titel: 'Philosophie der Freiheit’. Jeder Anthroposoph kennt das Buch, zumindest dem Namen nach. Über den kleinen Kreis seiner glühenden Anhänger hinaus ist Steiners Versuch, sich als Philosoph zu profilieren, in Ermangelung jeglicher Relevanz kein Erfolg beschieden.“

... lässt man einmal seine Promotion in der philosophischen Fakultät mit dem „Vorspiel einer Philosophie der Freiheit“ (als „Wahrheit und Wissenschaft“ auch in Buchform erschienen) beiseite, sind wir versucht einzuwenden; aber das ist sicher eine ebensolche Spitzfindigkeit, wie der Hinweis auf den Umstand, dass ein seinerzeit ausgesprochen bekannter und einflussreicher philosophischer Zeitgenosse Steiners – ein gewisser Eduard von Hartmann – heute beinahe vollständig in Vergessenheit geraten ist, während Steiner sich sogar in der Großhirnrinde NWAs tummelt.
Letzteres ist allerdings kein prinzipieller Widerspruch zu NWAs Diagnose, die folgenden weiteren Verlauf nimmt:



„Schon von daher erscheint es naheliegend, dass Steiner zu anderen Mitteln als der intellektuellen Auseinandersetzung greifen muss, um sich selbst als Prophet 'wahrer Erkenntnis’ zu präsentieren. Als Philosoph nicht ernst genommen, entschließt sich Steiner Hellseher zu werden und als solcher gegen den scheußlichen ‚Intellektualismus’ zu wettern.“


Haaaaah – fast. Gut angesetzt, leider gestrauchelt und dann taumelnd in den erstbesten Holunderbusch gestürzt.
Aber das kriegen wir schon wieder hin.

Wir wollen zunächst eine kleine Anekdote erzählen, um ansatzweise und im Bild zu veranschaulichen, was Steiner mit dem „Verstandesseelendenken“ (dem „Intellektualismus“) meint, gegen das er nicht erst nach seiner Abkehr vom akademischen Betrieb „gewettert“ hat:
Es war einmal der Umbau eines Hauses vonstatten gegangen und da in dem umgebauten Haus neben Wohn- auch Gewerberäume vorrätig gehalten wurden, musste ein Brandschutzprüfer den Umbau hinsichtlich bestimmter Auflagen abnehmen. Dieser Brandschutzprüfer stand nun mit den ihm eingereichten Plänen bewaffnet in besagtem Haus und tat, was er tun sollte: Er kontrollierte, ob alles bestimmungsgemäß ausgeführt worden war. Das ging genau so lange gut, bis die Wirklichkeit von der Zeichnung abwich – und zwar in Form einer Tür, die als zweiter Fluchtweg von einem Gewerberaum ins Treppenhaus führte. Diese Tür, wohlgemerkt, war wirklich vorhanden und entsprach als solche Wirklichkeit auch den Bestimmungen – allein im Plan war sie nicht berücksichtigt worden, zum großen Bedauern der ebenfalls anwesenden Architektin, die sich dieser Unterlassungssünde persönlich schuldig gemacht hatte. Doch es half alles nichts: die wirkliche Tür nicht, die Einsehbarkeit des wirklichen Fehlers nicht und die Beteuerungen der wirklichen Architektin auch nicht: für den Brandschutzprüfer stand nach mehrfacher Konsultation seiner Pläne zweifelsfrei fest: es fehlte an dieser Stelle eine Tür. Sie war trotz aller Wirklichkeit nicht ordnungsgemäß - und also gar nicht - da. Also gab es keinen zweiten Fluchtweg. Also gab es ein Aufenthaltsverbot für Menschen in diesem Raum. Also ist es seither offiziell ein „Lager“, was allerdings wirklich niemanden stört.

Was will uns der Dichter damit sagen? Im Grunde ganz das Gleiche, das Rudolf Steiner sagen will, wenn er zu bedenken gibt, man könne einen Walfisch nicht „beweisen“; den müsse man schon sehen, um zu wissen, dass er existiert.
„Verstandesseelendenken“ ist in Steiners Diktion ein sich von der Wirklichkeit entfernendes oder bereits entfernt habendes Denken, das aus der abstrakten Abgeschiedenheit Urteile über Wirkliches sprechen will, ohne Wirklichkeit wirklich zu berücksichtigen. Ein solches Denken hat hier und da einen sinnvollen und begrenzten Aufgabenbereich; die Ausdehnung seines Gültigkeitsanspruches jedoch auf sämtliches Denkbares ist weder sach- noch menschendienlich, sondern einfach stumpf- und unsinnig.



Zurück zu Steiners system hopping: Weg von der Akademie, hin zum Tempel.
Steiners Erkenntnistheorie – die eigentlich die beschreibende Untersuchung einer Erkenntnispraxis ist – konnte im akademisch-philosophischen Betrieb nicht reüssieren, weil sie dessen Voraussetzungen hinterfragte und sich damit schon aus rein systematischen Gründen außerhalb des common senses der (philosophischen) Gepflogenheiten stellte – ein Unterfangen, dass keine Institution so ohne weiteres in und mit sich betreiben lässt, schon gar nicht ein auch zur damaligen Zeit bereits recht bornierter akademischer Apparat.

Nun – aber so war es eben und Steiner gab irgendwann seine Versuche, sich Einlass ins Dickicht zu verschaffen, notgedrungen auf.



„Während die staatlichen Regelschulen im Sinne Immanuel Kants die Schüler zu eigenem kritischen Denken befähigen sollen, haben die Waldorfschulen das entgegengesetzte Ziel. In ihnen geht es darum, mit den Mitteln der Indoktrination eine „Erziehung zur Anthroposophie“ (Klaus Prange) zu bewerkstelligen. Selbstverständlich wird das von den Anthroposophen hartnäckig bestritten. Die umfassende, konsequente und beharrliche Leugnung der Realität ist für die Anthroposophie insgesamt essenziell. Das gilt auch und besonders für ihre Schulen.“



Das ist einfach nur noch dumm und ob der Verkehrung der Verhältnisse – es ist NWA, das hier beharrlich Realität leugnet - außerdem recht dreist.
Sollte das, was NWA treibt, Kant geschuldet sein (wir wagen das zu bezweifeln und tippen eher auf eine geistige Verschrebergärtnung aus gänzlich anderen und weit profaneren Gründen), so könnte man es als Beleg des Scheiterns der Kant’schen Mission begreifen. „Eigenes kritisches Denken“ ist das, was NWA hier Beitrag um Beitrag abspult, genau nicht. Es handelt sich um ohne jeden Wirklichkeitsabgleich in Gedanken transformierte Reflexe, um einfallsloses Abrattern persönlicher Befindlichkeiten. Vorurteil reiht sich träge an dumpfe Ahnung, Haltlosigkeit lehnt sich an schwankendes Material - und man möchte beim Zuschauen am liebsten einen Gymnastiklehrer zur Hilfe rufen, um wenigstens so etwas wie Bewegung in dieses „Denken“ zu bringen, wenn das „Eigene“ und das „Kritische“ schon durch Abwesenheit glänzen.

Kommentare:

barbara hat gesagt…

nwa ist schon eins weiter, auch wenn da noch kein text steht

Anonym hat gesagt…

Ich finde es immer wieder amüsant wie manche Leute versuchen das Wort "objektiv" neu zu belegen. Naja, ich denke das Sie mir leid tun sollten, immerhin sind Sie kläglich daran gescheitert genug Wissen anzuhäufen um sich ein ernst zu nehmendes Urteil zu bilden...
Ich hoffe das Sie mit weiteren Herausforderungen auf Ihrem Lebensweg besser fertig werden, alles Gute...

Nachsichten aus der Welt der Anthroposphie hat gesagt…

Werter Anonymus,
Ihr Kommentar scheint zwar - nun ja - ziemlich in der Luft zu schweben, da eine Bezugnahme zum Blogbeitrag kaum erkennbar ist, aber wir freuen uns, dass Sie sich amüsieren konnten.
Vielen Dank auch für die guten Wünsche. Auch Ihnen, Herr Anonymus, alles Gute auf Ihrem weiteren Lebensweg!